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Veröffentlicht März 2026

Das Problem der Dürre

Wer in Europa lebt, hat sich unweigerlich von der Dürre gehört, die den Süden in diesem Winter und Frühjahr besonders hart getroffen hat, vor allem, weil sie uns schon seit dem letzten Sommer schwer belastet. Der April war der heißeste und trockenste April, der je in Spanien registriert wurde, und in einigen Regionen Frankreichs ist die anhaltende Dürrekrise die längste seit Beginn der Aufzeichnungen. Im französischen Departement Pyrénées-Orientales und in bestimmten Gebieten Südspaniens, wie zum Beispiel Malaga, hat es schon seit über einem Jahr keine nennenswerten Niederschläge mehr gegeben. In Norditalien sind die Niederschläge im Jahr 2022 um 40 % zurückgegangen, und das Jahr 2023 hat einen schlechten Start hingelegt, was dazu geführt hat, dass die Wasserspeicher (bis vor Kurzem) nicht einmal halb so hoch waren wie normalerweise und die Seen und Flüsse ausgetrocknet sind. In Frankreich hat es im Januar und Februar an 32 aufeinanderfolgenden Tagen nicht geregnet – die längste Wintertrockenheit seit dem Jahr 1959.

Aber nicht nur der Süden Europas ist betroffen – selbst normalerweise wasserreiche Länder wie Österreich haben nicht nur mit der Hitze- und Dürrekrise des Sommers 2022 zu kämpfen, sondern auch mit dem vergangenen trockenen Winter. Der Mangel an Schnee und Regen hat seinen Tribut auf den bereits erodierenden Böden großer Teile unseres Kontinents gefordert. Und während April und Mai zumindest in Italien und Österreich endlich Regen gebracht haben, führen die plötzlichen intensiven Regenfälle in Verbindung mit der mangelnden Aufnahmefähigkeit der Böden zu Überschwemmungen und erweisen sich somit als vergiftetes Geschenk. Italien kam es praktisch über Nacht zu einer drastischen Umkehr von zu wenig Wasser auf zu viel Wasser. 

Illustration aus dem technischen Bericht „Drought in Europe March 2023“ des Joint Research Centers der EU



In den stark betroffenen Regionen Spaniens und Frankreichs wird das Wasser bereits rationiert, einige Monate bevor der Sommer überhaupt begonnen hat. Eine Situation, die für die Allgemeinheit bereits schwierig ist, ist für die Landwirte vor Ort mehr als nur katastrophal – sie kann ihnen die Lebensgrundlage entziehen. Denn ohne Wasser wächst nichts – kein Gemüse, kein Obst, kein Getreide. Und das sollte uns alle beunruhigen. 

Aber wir wollen nicht fatalistisch oder alarmistisch sein, sondern uns lieber mit den möglichen Lösungen befassen und mit dem, was wir aus dem lernen können, was die Natur uns sagt. Nachdem wir uns eingehend mit diesem Thema befasst haben, sind wir auf einige Punkte gestoßen, die wir gerne näher beleuchten möchten:

  • Wir müssen den Übergang zu einer regenerativen Landwirtschaft unverzüglich beschleunigen – die Umkehrung der Bodendegradation (und die Verhinderung, dass es überhaupt so weit kommt!) wird für CrowdFarming in Zukunft oberste Priorität haben, wobei zu berücksichtigen ist, dass einer der Schlüssel zur effizienten Erhaltung der Wasserressourcen unsere Böden sind.

  • Die Wasserressourcen, die wir haben, müssen effizienter bewirtschaftet werden. So gibt es beispielsweise in Spanien schon einige effiziente Bewässerungstechniken, wo wir trockenere Regionen vorfinden, die an lange Perioden ohne Regen gewöhnt sind. Unsere Landwirte wenden Praktiken wie Tröpfchenbewässerung, Systeme zur Verhinderung des Abflusses, die Einhaltung von Höhenlinien und den Einsatz von Sensoren an, damit die Bewässerung so präzise wie möglich und niemals verschwenderisch ist. 

  • Die Wasserzuteilung in Regionen, die unter Wasserstress leiden, sollte nach dem Prinzip „Notwendigkeit“ statt „Wunsch“ erfolgen: Vielleicht ist es an der Zeit, der nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion den Vorzug vor immergrünen Golfplätzen zu geben; und das am besten, bevor eine Dürrekrise bereits eingetreten ist.

  • Alle Aktivitäten, die den Klimawandel verschärfen, sollten dringend reflektiert werden – lasst uns unseren Teil zur Eindämmung der CO2-Emissionen beitragen und dafür kämpfen, die für ein ausgewogenes Ökosystem so wichtigen Temperaturen zu erhalten.



Aber fangen wir von Vorne an:

Zum Verständnis der Situation

Um die Dürresituation in Europa zu verstehen, muss man sich vor Augen halten, dass es drei verschiedene, aber miteinander verbundene Arten von Dürre gibt:
 

  • Meteorologische Dürre: Niederschlagsdefizit (Wasser in der Atmosphäre)
  • Hydrologische Dürre: Abfluss- oder Speicherdefizite in natürlichen Wasserläufen und Gewässern (Oberflächenwasser).
  • Landwirtschaftliche Dürre: Defizite bei der Bodenfeuchtigkeit (Wasser im Boden)

Normalerweise ist die meteorologische Trockenheit, d. h. das Ausbleiben von Niederschlägen, der Hauptauslöser für den Rest. Hohe Temperaturen und eine nicht nachhaltige Landwirtschaft tragen jedoch zur Verschärfung der Folgen von Dürre bei. 

Die Weltorganisation für Meteorologie definiert Dürre als „eine längere Trockenperiode im natürlichen Klimazyklus, die überall auf der Welt auftreten kann“ sowie als „ein langsam einsetzendes Phänomen, das durch einen Mangel an Niederschlägen verursacht wird“. Das bedeutet, dass eine „echte“ Dürre nicht nur dann auftritt, wenn es ein paar Monate lang nicht regnet. Es handelt sich um einen schleichenden Prozess. Das bedeutet, dass eine Dürre ein Land nicht überraschen sollte, da die jeweilige staatliche meteorologische Organisation normalerweise Niederschläge und Wasserstände im Laufe der Zeit misst. Es bedeutet auch, dass man etwas für die Prävention tun kann – vor allem im Bereich der Wasserwirtschaft, aber auch in den Sektoren, die besonders stark von Dürren betroffen sind, wie etwa die Landwirtschaft. Die Berücksichtigung der Erkenntnisse von Forschern und Daten sowie die Überwachung der Situation sowohl auf politischer und staatlicher Ebene als auch auf der Seite der Landwirte könnten dazu beitragen, die Schwere einer Dürre und ihre Folgen zu mildern.


Illustration aus dem technischen Bericht „Drought in Europe March 2023“ des Joint Research Centers der EU



Die ausschlaggebenden Faktoren

→ Globale Erwärmung

Auch wenn es auf der Hand liegt, muss es doch erwähnt werden: Die hohen Temperaturen sind einer der Hauptfaktoren, die zu den Auswirkungen der Dürre beitragen, da sie zu Wasserverdunstung führen und Pflanzen und Tiere weiter belasten. Aufzeichnungen zeigen, dass die Hitzewellen in Europa zwischen 1951 und 2017 deutlich zugenommen haben, so dass die Wasserreserven stark erschöpft sind. Die Niederschläge fallen insgesamt in größeren Abständen und sind tendenziell intensiver, wenn sie auftreten. Während sich in einigen Regionen – wie in bestimmten Gebieten Frankreichs, Italiens und Spaniens – ein klarer Trend abzuzeichnen scheint, hat sich noch kein eindeutiges Muster herauskristallisiert, was unser Wetter ziemlich unberechenbar macht.

Die derzeitige Dürrekrise steht jedoch eindeutig im Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten: Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Beweise (siehe z. B. den jährlichen IPCC-Bericht), dass unsere Emissionen (hauptsächlich verursacht durch die Energieindustrie, aber auch durch den Verkehr sowie die Lebensmittel- und Modeindustrie) die globale Erwärmung nicht nur verursacht haben, sondern sie auch beschleunigen. Das Auftreten extremer Wetterbedingungen und längerer Dürreperioden gehört zu den möglichen Szenarien, vor denen uns die Wissenschaft gewarnt hat.

→ Verschlechterung der Böden

Nach Angaben der EU-Bodenbeobachtungsstelle sind fast 60 % unserer Böden entweder bereits degradiert oder in einem ungesunden Zustand.

Die Verschlechterung der Böden steht durch Prozesse wie die Bodenerosion in direktem Zusammenhang mit dem Wasserkreislauf. Extreme Wasserverhältnisse können zu Bodenerosion führen, indem sie den fruchtbaren Oberboden abtragen und den verbleibenden Boden freilegen, so dass er sehr anfällig für Witterungseinflüsse wird. Die Erosion verringert nicht nur die landwirtschaftliche Produktivität, sondern erhöht auch das Risiko für das Auftreten von Phänomenen wie Erdrutsche oder Überschwemmungen.

Gesunde Böden spielen eine wichtige Rolle in der Wasserwirtschaft:

  • Sie filtern Wasser, fangen Schadstoffe ab und verhindern, dass diese ins Grundwasser gelangen.
  • Sie fangen Wasser besser auf und speichern es, so dass es nicht zusammen mit den im Boden enthaltenen Nährstoffen abfließen kann und die Böden vor Erosion geschützt werden. 
  • Sie minimieren die Oberflächenverdunstung und verringern so den Bedarf an Bewässerung.

Die intensive und konventionelle Landwirtschaft trägt durch schwere Maschinen und Bodenbearbeitung, den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden und die direkte Sonneneinstrahlung durch die Abholzung der Wälder zur Verschlechterung der Böden bei.

Fazit: Wir müssen uns um den Boden kümmern und diejenigen unterstützen, die dies bereits tun. Es steht viel auf dem Spiel, wenn es darum geht, die Welt unter unseren Füßen am Leben zu erhalten.



Die möglichen Lösungen

Für uns als Landwirte und Mitglieder der Lebensmittelindustrie besteht der wichtigste Beitrag, den wir neben einer effizienten Wasserbewirtschaftung leisten können, in der Anwendung regenerativer Praktiken – Mulchen, Deckfruchtanbau, Minimierung der Bodenbearbeitung und Erhöhung der organischen Substanz –  zur Förderung der Wasserrückhaltung im Boden. 

Weitere Maßnahmen, die wir – als Gesellschaft, als Wähler, als Unternehmen, als Verbraucher – aktiv verfolgen können, sind unter anderem:

  • Verringerung der Lebensmittelverschwendung, so dass wir nur Wasser für die Produktion der Lebensmittel verwenden, die wir auch verbrauchen. Wir sollten nicht vergessen: Ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel geht verloren oder wird verschwendet – dies gilt insbesondere für frische Lebensmittel. 

  • Vermeidung des Einsatzes von synthetischen Chemikalien, sowie von Bränden und Abholzung, die den Boden schädigen und dem Wasserrückhalt zuwiderlaufen. 

  • Entscheidung für biologische Produkte und jene in Umstellung auf Bio und, wenn möglich, auf solche, die mit regenerativen Verfahren hergestellt wurden.

Die Situation unserer Landwirte

Unsere Landwirte können nur auf ihre eigenen Wasserressourcen zurückgreifen . Je nach Landwirt und Ort können sich diese Ressourcen stark unterscheiden, da sie vielleicht über eigene Reservoirs verfügen, in denen sie Regenwasser sammeln, oder über eigene Brunnen. Dazu kommen die Wasserressourcen, die ihnen von offiziellen Stellen zugewiesen werden. Wenn sowohl ihre eigenen Wasserressourcen als auch die ihnen auf kommunaler Ebene zugewiesenen Wasserressourcen erschöpft sind, wie es bei einigen unserer Landwirte in den besonders stark betroffenen Regionen des Südens bereits in diesem Frühjahr der Fall war, bedeutet dies schlicht und einfach, dass sie nicht mehr bewässern können und somit ihre Ernten verlieren oder erhebliche Ernteeinbußen hinnehmen müssen.  


Deshalb hatten wir diesen Frühling weniger Avocados oder Orangen im Angebot als sonst – die Saison wurde einfach durch die Trockenheit verkürzt. Glücklicherweise gibt es auch im Süden viele Landwirte – zum Beispiel in Granada -, die von der Dürre kaum betroffen sind.



Unsere Landwirte profitieren davon, dass sie gesündere Böden haben und sehr ressourcenbewusst arbeiten.  In Spanien haben alle unsere Landwirte gelernt, Überbewässerung zu vermeiden und mit geringeren Wassermengen auszukommen, noch bevor die Dürrekrise einsetzte.




Die große Frage der landwirtschaftlichen Dürre

Sollten wir den Anbau wasserintensiver Pflanzen einstellen?

Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort. Es stimmt zwar, dass es (Pflanzen-)Kulturen gibt, die in einigen Regionen nicht ausschließlich mit Regenwasser angebaut werden können. Aber es gibt bestimmte Lebensmittel, die in der Öffentlichkeit mehr im Blickpunkt stehen als andere, wenn es um ihren Wasserverbrauch geht.   

Es gibt einen Grund, warum es sinnvoll ist, bestimmte bewässerte Kulturen in Südeuropa anzubauen: Es ist ganz einfach die einzige Region in Europa, in der dies möglich ist. Die Alternative wäre, noch viel mehr aus Übersee zu importieren. Von Lebensmittelimporten aus Übersee abhängig zu werden, kann nicht die Antwort auf die Frage der Sicherstellung der Ernährungssicherheit in Europa sein.

Es ist auch wichtig, sich ein paar Fakten vor Augen zu führen: Nach Angaben des Water Footprint Network werden für die Produktion von einem Kilo Rinderfleisch satte 15.000 Liter Wasser benötigt.  Keine Kulturpflanze kommt auch nur annähernd an diese Zahl heran. Und bei den Nutzpflanzen benötigen viele gängige Getreidesorten mehr Wasser als viele Obstsorten, darunter Avocados oder Orangen. Wir müssen auch den Nährwert der von uns produzierten Lebensmittel im Vergleich zum Wasserbedarf berücksichtigen. 


Vor allem darf man nicht vergessen: Alle Pflanzen brauchen Wasser. Wo es kein Wasser gibt, gibt es auch kein Leben. Wir sollten uns also darauf konzentrieren, effizienter mit unseren Wasserressourcen umzugehen, vorhandenes Wissen über Landesgrenzen hinaus weiterzugeben,  regenerative Landwirtschaft zu unterstützen und den Wasserverbrauch von Industrien zu hinterfragen, die für unser Überleben nicht unerlässlich sind.


Lasst uns das Bewusstsein dafür schärfen, dass die Erhaltung des Lebens unter unseren Füßen der Schlüssel für all das oben Genannte ist.



Quellen:

  • Water scarcity conditions in Europe | Water exploitation index plus (8th EAP)
  • IPCC 2022
  • FAO Campaign Materials | World Soil Day, 5 December
  • World Meteorological Organization
  • Soil erosion must be stopped ‘to save our future’, says UN agriculture agency | News.un.org
  • Conservation Agriculture as a Sustainable System for Soil Health: A Review | Mdpi
  • Which foods need the most water to produce? | World Economic Forum
  • Erosion in Europe – Projections by 2050 | ESDAC – European Commission
  • Europe’s Water Crisis: From Overshadowed to Potentially Catastrophic | European Journal of Development Studies

Geschrieben von Emmeline Hess

Emmeline Hess

Emmeline es experta en comunicación, vocación que ha estado ejerciendo durante más de 9 años en empresas con enfoque en la sostenibilidad.

Esta nueva podcaster es una gran aficionada a la comida, una preocupada por el cambio climático (aspirante a guerrera) y le gusta una buena discusión casi tanto como los perros.

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Zitrus und Nährstoffe

Die vielfältige Welt der Zitrusfrüchte und ihrer NährstoffeZitrusfrüchte umfassen alle Fruchtarten, die zur Gattung Citrus gehören und sich durch ihren charakteristischen süß-sauren Geschmack sowie ihre außergewöhnlichen ernährungsphysiologischen Eigenschaften auszeichnen. Diese saftigen Früchte werden überwiegend in subtropischen und tropischen Regionen angebaut, passen sich jedoch an und gedeihen in nahezu allen Regionen der Welt innerhalb des 40°-Breitengrades – in Europa wären dies Spanien, Italien und Griechenland. Diese weite Verbreitung und Anpassungsfähigkeit haben dazu geführt, dass Zitrusfrüchte zu den weltweit am meisten produzierten und vermarkteten Obstkategorien zählen. Die „Odyssee“ der ZitrusfrüchteDie Geschichte der Zitrusfrüchte erstreckt sich über zahlreiche Kulturen und Epochen. Der griechischen Mythologie zufolge waren die Gärten der Hesperiden mit goldenen Äpfeln bevölkert – heute wissen wir, dass damit Orangen gemeint waren. Im alten China galten sie bereits ab 2200 v. Chr. als Symbole des Wohlstands. Entlang der Seidenstraße lag ihr Wert vor allem in der Vorbeugung von Skorbut.Die Gattung Citrus umfasst nicht nur Orangen, sondern auch Mandarinen, Zitronen, Limetten, Grapefruits und weitere weniger bekannte Sorten. Sie alle teilen einen gemeinsamen Ursprung in Südostasien, genauer gesagt in der Himalaya-Region. Ihre Domestizierung führte zu einem komplexen genetischen Netzwerk, das ihre Ausbreitung vorantrieb.Limetten und Bitterorangen sollen ihren Ursprung jeweils im Osten und Norden Indiens haben, während Zitronen möglicherweise eine Kreuzung aus Zitronatzitrone und Mandarine sind. Süßorangen stammen vermutlich aus Südostchina und wurden von den Römern nach Europa gebracht. Mandarinen gelangten entlang des Jangtse nach Japan, und Grapefruits etablierten sich rasch auf der Malaiischen Halbinsel.Auch wenn es schwierig ist, ihren Weg genau nachzuzeichnen, liefern Genomik und Biogeografie wertvolle Erkenntnisse – sowie eine spannende Geschichtsstunde. Ein ernährungsphysiologischer SchatzNeben Zuckern wie Glukose und Fruktose sind Zitrusfrüchte unsere wichtigste Quelle für Vitamin C, insbesondere im Winter. Diese Werte sind bei Orangen in der Regel höher als bei Mandarinen und bei ökologisch erzeugten Früchten deutlich höher, je nach Sorte um 15 bis 30 %. Zudem ist es wichtig zu wissen, dass Orangensaft nur etwa 25 % des im ganzen Fruchtfleisch enthaltenen Vitamin C liefert.Vitamin C ist jedoch nicht der einzige ernährungsphysiologische Vorteil von Zitrusfrüchten. Sie sind außerdem eine hervorragende Quelle für Carotinoide, Xanthophylle und Flavonoide, die den Zitrusfrüchten ihre charakteristische orange – oder bei Blutorangen sogar rote – Farbe verleihen und zugleich als starke Antioxidantien sowie als Vorstufen von Vitamin A wirken. Weitere Nährstoffe in Zitrusfrüchten sind Folsäure, Kalium, Calcium und Magnesium, die für die Herz-Kreislauf- und Knochengesundheit sowie für die Muskelfunktion unerlässlich sind.Darüber hinaus weist jede Zitrusart eigene ernährungsphysiologische Besonderheiten auf: So sind Limetten und Zitronen besonders reich an Zitronensäure und Vitamin C, während Grapefruits eine beachtliche Menge an Vitamin A liefern. Die unzähligen Arten und Sorten von ZitrusfrüchtenDie Beliebtheit moderner Sorten, die eine höhere Rentabilität bieten, besser an Marktanforderungen und Umweltbedingungen angepasst sind und eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge aufweisen, verdrängt nach und nach traditionelle und einheimische Sorten. Unter den wichtigsten derzeit auf dem Markt verfügbaren Zitrusarten und -sorten sind unter anderem folgende hervorzuheben: Orangen (Citrus sinensis)Navelina: Diese Sorte gehört zu den frühesten Navelorangen der Saison und ist in der Regel ab November erhältlich. Navelinas sind an ihrem kleinen „Nabel“ (oder „Bauchnabel“) zu erkennen und bekannt für ihre Süße, ihren geringen Säuregehalt und ihre Saftigkeit. Sie sind meist zwischen Dezember und Januar verzehrreif. Navel de Foyos: Sie sind saftig und weisen ein gutes Gleichgewicht zwischen Süße und Säure auf. Ihre Schale ist dick und leicht zu schälen, und sie besitzen den charakteristischen „Nabel“ der Navelorangen. Die Erntesaison der Navel de Foyos beginnt in der Regel im November und dauert bis Januar. Fukumoto: Ebenfalls eine frühe Navelsorte, bekannt für ihre kleine bis mittlere Größe und ihre leuchtend orange Farbe. Sie hat einen überwiegend süßen Geschmack und eine saftige Textur, mit einer dünnen Schale, die das Schälen erleichtert. Die Erntezeit von Fukumoto liegt meist zwischen Oktober und Dezember. Navel Powell: Diese Sorte zeichnet sich durch ihre große Größe und ihren etwas süßeren Geschmack aus. Ihre Schale ist etwas dicker als bei anderen Navelsorten, was zu einer längeren Haltbarkeit beiträgt. Die Erntesaison der Navel Powell liegt in der Regel zwischen Februar und April. Washington Navel: Wahrscheinlich die bekannteste und am weitesten verbreitete Navelsorte. Sie zeichnet sich durch ihre große Größe, Saftigkeit sowie ein ausgewogenes Verhältnis von Süße und Säure aus. Ihre Schale ist dick und leicht zu schälen, und sie besitzt einen ausgeprägten „Nabel“. Die Ernte beginnt im November und kann bis März andauern. Navel Lane Late: Eine späte Navelsorte, die vom Frühjahr bis zum Frühsommer geerntet wird. Diese Orangen sind groß, saftig und haben ein ausgewogenes Aroma, das etwas süßer ist als bei anderen Navelorangen. Sie eignen sich ideal für den Frischverzehr und behalten ihre Qualität über einen längeren Zeitraum. Ihre Saison liegt zwischen März und April. Salustiana: Bekannt für ihren hohen Saftgehalt und ihren süßen Geschmack. Salustiana-Orangen haben eine dünne Schale und lassen sich leicht schälen. Diese Sorte ist weniger säurehaltig als andere Orangen und wird von Mitte Winter bis zum Frühjahr geerntet, etwa von Januar bis März. Valencia Midnight: Eine Variante der Valencia-Orange, die später in der Saison reift und einen reichhaltigen, süßen Saft liefert, der sich ideal für die Saftherstellung eignet. Ihre Erntesaison reicht von April bis Mai. Valencia Late: Eine weitere späte Variante der bekannten Valencia-Orange, die sich durch ihre große Größe auszeichnet. Ihre Erntesaison reicht von April bis Juli und macht sie zu einer der letzten Orangen, die in jeder Saison auf dem Markt erhältlich sind. Tarocco: Eine der beliebtesten Sorten von Blutorangen. Tarocco wird für ihr charakteristisch rötliches Fruchtfleisch und ihr süßes Aroma mit Beerennoten geschätzt. Sie ist reich an Antioxidantien, insbesondere an Anthocyanen, die ihr die rote Farbe verleihen. Die Erntesaison dauert von Januar bis Mai. Moro: Eine weitere herausragende Blutorangensorte, berühmt für ihre intensiv rote Farbe sowohl im Fruchtfleisch als auch in der Schale. Sie ist in der gehobenen Küche sehr geschätzt. Ihr Geschmack ähnelt dem der Tarocco, mit einer leichten Säurenote. Diese Sorte ist bekannt für ihren hohen Gehalt an Anthocyanen, den Pigmenten, die für ihre charakteristische Farbe und antioxidative Wirkung verantwortlich sind. Die Erntesaison der Moro umfasst die Monate Januar und Februar. Mandarinen (Citrus reticulata)Gold Nugget: Die Gold-Nugget-Mandarine, benannt nach ihrer rauen Schale – die ihr das unperfekte Aussehen verleiht, das wir so schätzen – und ihrer goldenen Farbe, wird wegen ihrer Süße und Saftigkeit mit einem Hauch von Säure geschätzt. Die Schale ist etwas dicker, lässt sich aber dennoch leicht schälen. Die Erntesaison ist spät, beginnt meist im März und kann bis Ende Mai andauern. Satsuma: Ursprünglich aus Japan stammend, ist die Satsuma eine kernlose Mandarine, sehr süß und saftig, mit einem höheren Säuregehalt als andere Mandarinen und Clementinen. Ihre grünliche Schale ist etwas dicker, aber leicht zu schälen. Die Erntesaison der Satsuma ist früh und beginnt im Herbst (etwa von Oktober bis Dezember), wodurch sie zu den ersten Zitrusfrüchten des Jahres zählt. Tango: Die Tango-Mandarine ist eine sehr beliebte und hochwertige Sorte aus Kalifornien. Sie ist kernlos und zeichnet sich durch einen hervorragenden Geschmack mit intensiver Süße aus. Die Schale ist dünn, glatt, leuchtend orange und leicht zu schälen. Ihre Saison beginnt im Januar und dauert bis April. Nardocot: Diese ursprünglich aus Marokko stammende Sorte zeichnet sich durch ihre mittlere Größe und ihre dünne, leicht schälbare Schale aus. Nadorcott hat den Vorteil, lange am Baum haltbar zu sein, wodurch sich die Erntesaison verlängern lässt. Zudem ist sie widerstandsfähig gegen Alternanz, was bedeutet, dass sie Jahr für Jahr gute Erträge liefert. Wie die Sorte Tango wird sie zwischen Januar und April geerntet. Clemenvilla: Auch als Nova bekannt, zeichnet sie sich durch eine hervorragende Saftqualität und einfache Schäleigenschaften aus. Clemenvilla-Mandarinen sind größer als gewöhnliche Clementinen und haben eine leicht längliche Form. Ihre Erntesaison reicht von Mitte Winter bis zum frühen Frühjahr, etwa von Dezember bis März. Orogros: Mittelgroß bis groß, mit einer Schale, deren Farbe von Gelb bis Orange variiert. Ihr Geschmack ist eine ausgewogene Mischung aus Süße und Säure. Die Schale ist etwas dicker als bei gewöhnlichen Mandarinen, aber dennoch leicht zu schälen. Die Erntesaison der Orogros liegt meist zwischen Januar und März. Tardivo di Ciaculli: Diese aus Sizilien (Italien) stammende späte Sorte ist bekannt für ihren außergewöhnlich süßen Geschmack und ihr intensives Aroma. Tardivo di Ciaculli hat eine dünne Schale und eine leicht abgeflachte Form, mit einer späteren Erntesaison als andere Mandarinen, in der Regel von Ende Februar bis April. Ortanique: Die Sorte Ortanique stammt aus Jamaika; ihr Name setzt sich aus „OR“ (Orange), „TAN“ (Tangerine/Mandarine) und „IQUE“ (einzigartig) zusammen und weist darauf hin, dass es sich um eine Hybride aus Mandarine und Orange handelt. Sie sind mittelgroß bis groß, leicht abgeflacht und haben einen hohen Saftgehalt von intensiver orangefarbener Farbe. Ihre Saison liegt zwischen Februar und März. Orri: Die Orri-Mandarine ist eine relativ neue und sehr hochwertige Sorte aus Israel. Sie zeichnet sich durch einen außergewöhnlich süßen Geschmack und einen niedrigen Säuregehalt aus, was sie zu einer der attraktivsten Sorten auf dem Markt macht. Orri hat eine dünne, glänzende Schale, lässt sich leicht schälen und enthält nur wenige oder gar keine Kerne. Die Erntesaison der Orri ist im März. Clementinen (Citrus × clementina)Clementinen, die häufig als eine Art Mandarine betrachtet werden, sind in der Regel etwas süßer, dünnschaliger und etwas kleiner als Mandarinen.Clemenules: Diese Clementinen haben einen ausgeprägt süßen Geschmack und sind daher besonders für den Frischverzehr beliebt. Ihre Schale ist dünn und leicht zu schälen. In Bezug auf die Größe sind sie meist größer als gewöhnliche Clementinen. Die Erntesaison der Clemenules dauert von November bis Ende Dezember. Gewöhnliche Clementine: Diese Sorte ist die traditionellste und bekannteste unter den Clementinen. Sie zeichnet sich durch ihre kleine bis mittlere Größe, ihre leuchtend orangefarbene Schale und ihre leichte Schäleigenschaft aus. Die gewöhnliche Clementine bietet ein perfektes Gleichgewicht zwischen Süße und Säure und eignet sich sowohl für den Frischverzehr als auch für die Saftherstellung. Ihre Erntesaison reicht in der Regel von November bis Januar. Tangold: Auch als Seedless Tango bekannt, handelt es sich um eine kürzlich entwickelte kernlose Sorte. Sie zeichnet sich durch ihre intensive orange Farbe sowohl in der Schale als auch im Fruchtfleisch aus. Ihr Geschmack ist süß, mit einer saftigen und festen Textur. Die Schale ist leicht zu schälen, und die Größe ist mittel. Die Erntesaison der Tangold liegt meist vom Spätwinter bis zum frühen Frühjahr, etwa von Februar bis April. Caffin: Eine frühe Sorte, bekannt für ihre geringe Größe und leicht längliche Form, mit einem guten Gleichgewicht zwischen Süße und Säure. Ihre Erntesaison ist früh und beginnt im Oktober und reicht bis Dezember. Oronules: Die Oronules-Clementine gehört zu den ersten, die auf den Markt kommen, da sie zu den frühesten Sorten zählt, die ihren optimalen Reifegrad erreichen. Sie ist klein, hat eine attraktive rötlich-orange Farbe und ist wenig säurehaltig. Ihre Schale ist sehr dünn und daher leicht zu schälen. Ihre Saison reicht von Oktober bis Ende November. Korsika oder „Fine de Corse“: Die korsische Clementine, die von der französischen Insel Korsika stammt, ist eine Sorte, die wegen ihrer außergewöhnlichen Qualität sehr geschätzt wird. Sie zeichnet sich durch einen intensiv süßen Geschmack aus. Sie hat eine dünne Schale und einen hohen Saftgehalt. Korsische Clementinen sind auf den europäischen Märkten sehr gefragt; ihre Ernte- und Vermarktungssaison beginnt in der Regel im November und kann bis Ende Dezember andauern. Zitronen (Citrus limon)Verna: Diese Zitronensorte ist typisch für Spanien und hat einen späten Produktionszyklus. Sie ist groß, hat eine dicke Schale und ist sehr saftig. Sie ist weniger sauer als andere Sorten und wird häufig für die Saftherstellung verwendet. Sie wird hauptsächlich im Frühjahr und Sommer geerntet, was bedeutet, dass ihre Verfügbarkeit zwischen April und August am höchsten ist. Fino oder Primofiori: Auch als gewöhnliche oder Mesero-Zitrone bekannt, ist sie eine der weltweit am häufigsten angebauten Sorten. Sie zeichnet sich durch ihre dünne Schale und ihren hohen Saftgehalt mit einem perfekten Gleichgewicht zwischen Säure und Süße aus. Sie wird in der Regel vom Herbst bis zum frühen Frühjahr geerntet, mit einer Hochphase zwischen Oktober und März. Femminello: Ursprünglich aus Italien stammend, ist sie eine der wertvollsten und am weitesten verbreiteten Sorten im Mittelmeerraum. Sie ist bekannt für ihren hohen Gehalt an ätherischen Ölen in der Schale, was sie ideal für die Herstellung von Limoncello und anderen aromatisierten Produkten macht. Diese Zitrone hat einen klassisch säuerlichen Geschmack, eine dünne Schale und eine leicht längliche Form. Ihre Saison erstreckt sich über den größten Teil des Jahres. Grapefruit (Citrus paradisi)Rio Red: Diese aus Texas stammende Grapefruit ist bekannt für ihren süßen und leicht säuerlichen Geschmack. Die Erntesaison der Rio Red reicht vom Spätherbst bis zum Frühjahr und macht sie in diesem Zeitraum zu einer der begehrtesten Grapefruits. Star Ruby: Die Star Ruby besitzt das röteste Fruchtfleisch aller Grapefruitsorten. Sie ist bekannt für ihre Saftigkeit und Süße und enthält weniger Kerne. Ihre Erntesaison ist ähnlich der der Sorten Ruby Red und Rio Red. Weitere Zitrusarten und -sortenLimette (Citrus aurantiifolia) Bekannt für ihren weniger säuerlichen und eher floralen Geschmack, sind Limetten kleiner und grün. Sie werden häufig in Getränken und Cocktails sowie in Rezepten verwendet, die eine milde Zitrusnote erfordern. In der Regel ist die beste Zeit, frische Limetten zu finden, etwa von Juni bis September.Buddhas Hand (Citrus medica var. sarcodactylis) Diese Frucht ist aufgrund ihrer ungewöhnlichen fingerartigen Form sehr auffällig. Sie enthält weder Saft noch Fruchtfleisch, doch ihre Schale ist sehr aromatisch und wird hauptsächlich zum Parfümieren sowie als Dekoration in Gerichten und Getränken verwendet. Sie ist in der Regel im Herbst und Winter erhältlich, von Oktober bis Februar.Yuzu (Citrus junos) Ursprünglich aus Asien stammend, ist Yuzu sehr aromatisch und weniger sauer als herkömmliche Zitronen. Sein Geschmack ist eine komplexe Mischung aus Zitrone, Mandarine und Grapefruit. Er wird in der japanischen Küche широко verwendet, sowohl der Saft als auch die Schale. Hauptsaison ist zwischen Herbst und frühem Winter. Geerntet wird er vom Spätwinter bis zum Frühsommer, von Februar bis Juni.Zitronenkaviar oder „Fingerlime“ (Citrus australasica) Diese australische Sorte ist bekannt für ihre kleinen Vesikel im Inneren, die an Kaviar erinnern. Diese „Perlen“ platzen im Mund und setzen einen säuerlichen und erfrischenden Geschmack frei. Sie ist eine beliebte Zutat in der gehobenen Küche. In der Regel ist sie in den wärmeren Monaten des Jahres erhältlich, also etwa vom Frühjahr bis zum Ende des Sommers, ungefähr von April bis September.Kumquat (Fortunella spp.) Die Kumquat ist eine kleine, ovale Frucht, die ganz gegessen wird, einschließlich der Schale, die süß ist, während das Fruchtfleisch sauer schmeckt. Sie ist beliebt in Marmeladen, Kompotten und als kandierte Frucht. Ihre Saison beginnt im Winter und dauert bis zum frühen Frühjahr, von November oder Dezember bis März oder April.Lemonquat (Citrus × floridana) Eine Kreuzung aus Kumquat und Zitrone, die die Größe einer Kumquat hat, aber die charakteristische Form und den Geschmack einer Zitrone aufweist. Sie kann ganz gegessen werden und eignet sich ideal für Marmeladen oder Desserts. Ihre Verfügbarkeit ähnelt der der Kumquat und liegt hauptsächlich im Winter und frühen Frühjahr, etwa von November bis April.

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Enttäuschende COP

Die COP30, die vom 10. bis 22. November 2025 in Belém (Brasilien) stattfand, hätte ein Wendepunkt sein sollen. Zehn Jahre nach dem Pariser Abkommen und angesichts einer sich dramatisch zuspitzenden Erderwärmung war das Ziel klar: von Versprechen zur Umsetzung übergehen. Doch erneut prallten die Erwartungen auf die Realität eines diplomatischen Prozesses, der kurz vor der Blockade steht.„Genug geredet, jetzt muss gehandelt werden“, warnte der brasilianische Präsident Lula zur Eröffnung. Fünfzehn Tage und dreißig COP später: Wo stehen wir? Was passiert istIn der COP30 konzentrierten sich die Verhandlungen auf zentrale Themen: Anpassung für verletzliche Länder, Klimafinanzierung und – lange erwartet – ein Bekenntnis zum Ausstieg aus fossilen Energien.Der endgültige Text, „Mutirão“ genannt (aus den Tupi-Guaraní-Sprachen und bezeichnet eine Gemeinschaft, die gemeinsam eine Aufgabe bewältigt), erhielt breite, aber kritisch begleitete Unterstützung. Er fordert „Anstrengungen zur Verdreifachung der Anpassungsfinanzierung bis 2035“, jedoch ohne feste Beträge oder verbindliche Zeitpläne. Zudem fehlt ein verpflichtender Fahrplan für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas – mangels Konsens. EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra fasste das Ergebnis mit deutlichen Worten zusammen: „Dieser Text entspricht in keiner Weise der notwendigen Ambition im Bereich der Minderung.“Mit anderen Worten: Die COP30 ist nicht vollständig gescheitert. Sie hat bestehende Zusagen nicht aufgehoben, aber sie hat die entscheidende Gelegenheit verpasst, diese im Kontext der Klimanotlage zu stärken. Warum wir unzufrieden bleibenNach dreißig Klimakonferenzen entsteht der Eindruck, dass wir dieselben Prozesse immer wieder durchlaufen und dennoch jedes Mal auf ein anderes Ergebnis hoffen.Jede COP präsentiert große Ambitionen und starke Reden… um schließlich in einem „vorsichtig formulierten“ Text zu enden, der ein vollständiges Scheitern vermeiden soll und das Multilateralismus-System schützt. Die wichtigsten Entscheidungen werden verschoben, verwässert oder unverbindlich formuliert.Für Landwirte, kleine Erzeuger und die Gemeinschaften, die für ein faires, transparentes und widerstandsfähiges Ernährungssystem arbeiten, wirft das Fragen auf. Die Appelle zum „Handeln“ häufen sich, doch wer handelt tatsächlich? Wer vollzieht strukturelle Veränderungen jenseits von Berichten und TV-Debatten? Wieder einmal setzt sich die Form (Reden, Bilder, Inszenierung) gegenüber dem Inhalt (verbindliche Maßnahmen, Mittel, Umsetzung) durch.Unser Sektor – Landwirtschaft, faire Ernährungssysteme und kurze Lieferketten – erwartete klare Impulse: einen glaubwürdigen Ausstieg aus fossilen Energien und chemischen Inputs, um Ressourcen für die agrarökologische Transformation freizusetzen; sowie die Anerkennung, dass Biodiversität und Bodengesundheit unverzichtbare Grundlagen einer widerstandsfähigen Zukunft sind.Doch die COP30 zeigt erneut, dass das internationale diplomatische Modell in Kompromissen, kleinen Fortschritten und Unklarheiten gefangen bleibt. Fazit: Sollten wir noch an die COPs glauben?Ja – der Rahmen bleibt wichtig, und es gibt keine glaubwürdige Alternative zum Multilateralismus. Aber wir müssen realistisch sein: Seit Jahren erleben wir denselben Zyklus – angekündigte Ambitionen → lange Verhandlungen → polierter, aber schwacher Text → Verschiebung der Entscheidungen. Immer dasselbe zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten, ist nicht mehr tragbar.Es ist an der Zeit, verbindliche und überprüfbare Ziele sowie eine schnelle Umsetzung der Verpflichtungen in den Bereichen Böden, Ernährung und Biodiversität einzufordern. Sonst bleiben wir Zuschauer eines Theaters, das Stillstand grün bemalt.Gleichzeitig bauen Regionen, Landwirte, kleine Höfe und engagierte Verbraucher bereits an der Alternative. Die eigentliche Frage ist nicht mehr, was zu tun ist, sondern wie schnell wir es tun können. Werden wir in der Lage sein, diese Lösungen schneller umzusetzen als die Klimafolgen voranschreiten? Das ist das Rennen, in dem wir uns befinden.

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