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Landleben

5 min

Veröffentlicht März 2026

Von der Kuh zum Käse

Ich besuche Linda Becker von Bauer Freigeist in der Altmark, einem kleinen Ort namens Wiepke. 

Vor einigen Monaten hatte ich Linda zu einem Online Treffen eingeladen, bei dem sie der 1% für den Boden Community direkt aus dem Kuhstall ihre Geschichte erzählte. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst aus Thüringen komme, dass mir Erzählungen aus der DDR-Zeit immer besonders nah gehen. Lindas Familie wurde in der DDR enteignet, womit der Hof an den Staat überging. Nach dem Mauerfall konnte die Familie den Hof zurückkaufen und erwarb noch einige Teile der damaligen LPG. 

In meinem Wohnort gibt es ebenfalls eine Produktionsgenossenschaft, weswegen mich die eher “nüchternen” Ställe nicht abschrecken. Ich bewundere Linda und ihre Familie, denn während junge Leute abwandern und vor allem Bio-Landwirtschaft in Ost-Deutschland nicht überall zu finden ist, hat sich ihre Familie entschieden, den Betrieb wieder aufzubauen und Arbeitsplätze zu schaffen. Es geht also lange nicht mehr nur um Landwirtschaft, sondern um die Zukunft einer Region. Was vielleicht pathetisch klingt, ist genau das nicht. Wie oft habe ich in meinen Jahren im Kundenservice, mit Kunden darüber gesprochen, dass es doch besser wäre, “beim Bauern um die Ecke zu kaufen”. In meiner Region gibt es aber überhaupt keine Hofläden, geschweige denn Bio-Hofläden. In einem kleinen Ort wie Wiepke einen Selbstbediener-Laden mit Bio-Angebot zu eröffnen, ist eine logische Entscheidung und wird laut Linda und Tillmann auch gut angenommen. 

Es braucht immer jemanden, der die Initiative ergreift. Und Linda und Tillmann sind definitiv zwei Menschen, die absolut aktiv an der Gestaltung von Nachhaltigkeit arbeiten – nicht nur auf dem Feld. 

Lindas Herde umfasst ca. 300 Tiere und da es regnet, stehen die meisten Tiere im Stall. Linda erzählt, dass es die letzten Wochen so kontinuierlich geregnet hat, dass die Weide immer wieder Regenerationspausen braucht und sie das Grünfutter direkt in den Stall bringt. Durch ein sogenanntes “grünes Futterband” werden die Kühe von Beginn von Frühling bis Spätherbst mit Grünfutter versorgt – zusätzlich zur Weidehaltung; Luzerne und Kleegräser sorgen also nicht nur dafür, dass die Kühe Frischfutter haben, sondern auch, dass Regenwasser im Boden gespeichert wird, da die Gräser mehrere Jahre in der Fruchtfolge stehenbleiben können. 


Linda nimmt nicht nur an unserem Programm für regenerative Landwirtschaft teil, sondern ist auch seit einigen Jahren im Demeter-Verband Vorsitzende. Im Zuge der Demeter Zertifizierung, hat sie sich dafür entschieden, ihre Kühe wieder auf Hörner zurückzuzüchten. Für die Kuh bedeuten sie Regulationswerkzeug der Körpertemperatur und Kommunikationsmittel. Für Landwirte bedeuten sie Probleme, da sich die Kühe gegenseitig verletzen können. Nun dauert es einige Generationen, bis die Hörner wieder vollständig nachgewachsen sind. 

Ich verstehe, dass es viel darum geht, zu reflektieren – was hat gut funktioniert, was kann verbessert werden, wie können Arbeitsvorgänge optimiert werden. Linda erzählt, dass es in ihrem Familienbetrieb auch immer zu Reibungen kommen kann und dass immer auch viel über Neuerungen debattiert wird. So bedurfte es “einiger Überzeugungsarbeit”, ihre Familie von der Anschaffung eines vollautomatischen Melkroboters zu überzeugen. “Das hört sich sehr technisch an, aber eigentlich ist es viel wichtiger, dass wir verstehen, dass das genau das ist, was die Kuh in der Natur auch machen würde. Sie würde sich alleine entscheiden, etwas zu fressen, stillzustehen und dann würde das Kalb die Möglichkeit haben, sich Milch abzuholen.”, erklärt mir Linda. Die Kühe scheinen es zu mögen – während uns Linda ihr Team vorstellt und uns die enorme Arbeitserleichterung durch “Robi” erläutert, läuft dieselbe Kuh dreimal durch. Warum? Während gemolken wird, wird Futter in einen Trog gegeben. Merkt der Roboter, dass die Kuh bereits gemolken wurde und nur wegen des Futters wiederkommt, geht der Deckel zu. Natur und Technik – es ist spannend zu sehen, wie sie sich ineinander verzahnen. 

Es sind auch immer Investitionen, die sich rentieren müssen, erklärt Linda – aber “Robi” möchte sie definitiv nicht mehr missen.


Während Linda mich durch die Ställe führt, mir von ihrer Familie erzählt, denke immer wieder über den enormen Aufwand nach – ein völlig subjektiver Gedanke, da das alles hier Lindas tägliche Arbeit ist. Ich bin seit 8 Jahren bei CrowdFarming, komme selber von einem Hof und dennoch überwältigt es mich immer wieder, was alles dazugehört, ein Lebensmittel herzustellen und wie demütig wir eigentlich alle vor unseren vollen Tellern sitzen müssten.

Umso mehr freue mich, als wir nach Gardelegen in die Käserei fahren – eine Großküche, die Linda aus dem Leerstand gerettet hat. 

Es ist sehr schwül und riecht nach warmer Milch, fast schon ein bisschen sauer. Hier wird heute Halloumi hergestellt – ein Grillkäse, der in 90° Grad heißer Molke gekocht wird und anschließend noch in Salzlake reifen muss. Zum anschließenden Mittagessen durften wir uns gleich von der hervorragenden Qualität selbst überzeugen. Meine Kollegin Amanda darf beim Drehen und Einstreichen der Käselaiber helfen – das macht vor allem Spaß, ist aber auch ein fast meditativer Vorgang, der täglich wiederholt werden muss.


Die letzte Station meines Besuchs ist die “Schatzkammer”, wie Linda die Reifekammer selbst nennt. Als ich sie frage, wonach sie entscheidet, welchen Käse sie herstellt, sagt Linda ganz simpel: “Worauf ich Lust habe.” Auf CrowdFarming übersetzt heißt das 6 Kisten mit jeweils mehreren verschiedenen Sorten – es ist wortwörtlich für jeden Geschmack etwas dabei. Lindas Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und so entstand auch die Idee für einen geräucherten Käse. Auf “Rauchi” sind Linda und ihr Kollege Ika besonders stolz – er ist nicht nur wunderschön mit seiner rostroten Schale anzusehen, sondern er wurde auch dieses Jahr mit dem Kulinarischen Stern ausgezeichnet. Das ist ein Käse, der drei Tage lang in drei Räuchergängen geräuchert wird. 


Mein Besuch neigt sich dem Ende. Was ich von Linda mitnehme: Landwirtschaft ist weit mehr als das Produzieren von Lebensmitteln. Es geht um Gemeinschaft, um regionale Zukunft und um den Mut, neue Wege zu gehen. Ihre Arbeit erinnert mich daran, dass nachhaltige Ernährungssysteme nicht irgendwo entstehen – sie beginnen hier, auf Höfen wie diesem. 

Hier findest du eine Aufzeichnung unseres Live Streams – direkt vom Feld und mit einem unerwarteten Überraschungsgast.

Hier ansehen

Geschrieben von CrowdFarming

CrowdFarming

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Landleben

3 min

Der „verrückte Deutsche“ 40 Jahre später

Wenn man Friedrich heute über seine Finca in der Nähe von Gibraleón begleitet, hört man vor allem eines: ein lautstarkes Konzert aus Vogelgezwitscher. Doch hinter dieser Idylle steckt eine vor langer zeit getroffene radikale Entscheidung gegen die Konvention. Heute ist er seit 1994 Demeter-zertifiziert und beweist, dass seine „Verrücktheit“ die einzige logische Antwort auf die Krise unserer Böden ist.Vor 40 Jahren verliebte sich Friedrich bei einem Besuch in Spanien in die Finca Jelanisol-Montebello. Zu dieser Zeit arbeitete er selbst als Zwischhändler für konventionell hergestelltes Obst und Gemüse. Zwei Dinge sind damals passiert, die ihn haben reflektieren lassen: Eine Freundin schenkte ihm von Bill Mollison ein Buch über Permakultur, das ihn inspirierte. Er war zu Besuch auf dem Feld in Italien und suchte im Boden verzweifelt nach Regenwürmern. Als der Landwirt ihm bestätigte, dass es keine gäbe, „weil man so etwas nicht bräuchte“, began Friedrich zu reflektieren. Eine holistische Vision: Alles ist verbundenFür Friedrich ist die Landwirtschaft kein isolierter Prozess, sondern ein Teil eines großen Ganzen. Er pflegt eine sehr holistische und philosophische Sicht auf die Welt, in der alles – vom Bodenmikrobiom bis zum Konsumenten – miteinander verbunden ist. Seine Finca ist für ihn kein reiner Produktionsort, sondern ein lebendiger Organismus, in dem Mensch und Natur in Harmonie koexistieren. Für ihn kann eine friedliche Gesellschaft kann nur entstehen, wenn wir im Einklang mit der Natur produzieren. Wenn wir es richtig machen, ist genug für alle da – wir dürfen nur nicht die Grundlagen zerstören.Einer der stärksten Antriebe für Friedrichs Arbeit ist eine tiefe Besorgnis über den Zustand unserer modernen Ernährung. Er erzählt, dass viele Lebensmittel, die wir heute konsumieren, „leer“ sind. Damit meint er Produkte aus konventioneller Landwirtschaft, die aufgrund von Pesitziden und langer Lagerung, keinerlei nennenswerten Nährwert mehr besitzen. Er folgt dem Prinzip „Gesunder Boden = Gesunder Mensch“. Nur ein lebendiger, regenerierter Boden kann Früchte hervorbringen, die den Körper wirklich nähren.Eine der ersten Dinge, die Friedrich tat, war einen großen Teich anzulegen – nicht zur Bewässerung der Finca, sondern einzig und allein für die Vögel, Frösche, Enten und Fische. Bei stärkeren Regenfällen, fließt so das Wasser ab. Den organischen Dünger stellen sie über Mikroorganismen selber her und versorgen die Bäume über Tröpfchenbewässerung kontinuierlich mit Mineralien. 

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Landleben

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Die Wissenschaft hinter der Süße

Wir haben Antonio von Sicilian Passion in Sizilien besucht. In einer Region, die traditionell für ihre Zitrusfrüchte bekannt ist, hat sich Antonio vor mehreren Jahren für einen anderen Weg entschieden: Er baut Maracujas (und sogar Papayas!) an.Ein wesentlicher Teil unserer Zusammenarbeit besteht in der präzisen Bestimmung des Erntezeitpunkts. Unsere Teams führen direkt im Feld Messungen des Zuckergehalts durch. Mithilfe eines Refraktometers wird der Brix-Wert ermittelt, um sicherzustellen, dass die Früchte die erforderliche physiologische Reife und das volle aromatische Profil erreicht haben. Erst bei Erreichen dieser Grenzwerte wird die Ernte begonnnen. In dem Video unten seht ihr, wie unser Kollege Angelo, diese Messungen vornimmt. Es macht großen Spaß, denn man schaut buchstäblich in die Zukunft.Reifemerkmale und EtymologieEin wichtiges Qualitätsmerkmal der Maracuja ist die Beschaffenheit der Schale. Anders als bei vielen Obstsorten gilt hier: Je ausgeprägter die Faltenbildung der Frucht, desto höher ist der Zuckergehalt. Durch die leichte Verdunstung während des Reifeprozesses konzentriert sich der Fruchtzucker im Inneren, während die Säure dezent abnimmt. Es gibt zwei Ernten pro Jahr – eine in den Wintermonate und eine in den Sommermonaten. Vor allem im Sommer, sind die Früchte „runzliger“, da die Flüssigkeit durch die Wärme schneller verdunstet.Wusstet ihr, dass der Name „Passionsfrucht“ sich von der christlichen Ikonografie ableitet. Spanische Missionare im 16. Jahrhundert interpretierten die komplexe Blütenstruktur als Symbole der Leidensgeschichte (Passion) Christi. Die Filamente der Blüte wurden mit der Dornenkrone assoziiert, die drei Narben mit den Nägeln des Kreuzes und die fünf Staubblätter mit den Wundmalen. In der Galerie findet ihr ein Bild, auf dem das sehr gut zu sehen ist.

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Landleben

2 min

Blutrot und extrem lecker

Warum nicht jede Blutorange blutrot istWir waren in Sizilien und haben Danilo von AranceBio auf einem Feld getroffen, wo die Blutorangenernte ihren Höhepunkt erreicht. Man sieht die Orangen nicht nur reif an den Bäumen hängen, sondern man kann sie auch riechen. Der Himmel ist blau, die Bäume und die Wiese grün und die Orange hängen wie kleine Laternen in den Bäumen. Es ist sonnig, aber sehr frisch – auch in Sizilien ist Winter.Genau der richtige Zeitpunkt, damit die Blutorangen reifen. Nur durch das Zusammenspiel von warmen Tagen und kalten Nächten kann Anthocyan gebildet werden, der Farbstoff, der das Fruchtfleisch rot färbt. Sind die Nächte also zu warm, kann sich das Pigment nicht bilden und deine Blutorange ist vielleicht eher orange, als blutrot – aber natürlich genauso lecker.Danilo baut zwei unterschiedliche Sorten an; Moro: die etwas säuerlicher und ein tiefrotes Fleisch hat (wenn es kalt genug ist!) und Tarocco, die etwas süßer und ganz mild ist. Es ist ein bisschen wie Kindheit – wenn man ein Überraschungs-Ei öffnet. Man kann von außen nicht wissen, ob die Frucht rot oder eher orange ist.Angesichts zunehmender Trockenperioden setzt Danilo auf eine permanente Bodenbedeckung. Dieser natürliche Teppich schützt den Boden und dient als Wasserspeicher, der in Trockenzeiten wertvolles Wasser speichert – so bleibt die Natur widerstandsfähig.Wir haben natürlich auch gefragt, was wir essen sollen, wenn wir auf Sizilien sind und Danilo hat uns zwei Gerichte empfohlen: die traditionelle Pasta con le Sarde (wie soll es auch anders sein?!) und die frittierten Reiskugeln, Arancini genannt.

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